Bildthemen |
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Die Fotografie ist ein Mittel, die Themenbereiche anderer Künste in ihrem Medium fortzusetzen. Fotografische Bilder formen Wahrheit und Wissen, wie sie unterwandern oder desavouieren. Seit Beginn des fotografischen Mediums gab es immer auch einen Hang zum Erzählen von Geschichten, wobei die Erzählweisen sehr unterschiedlich sein können: von den theatralisierten, zweckorientierten Posen des 19. Jahrhunderts über die popularisierten Genres und die experimentellen und performativen Selbstwertungen bis zu den hybriden und multiplen Persönlichkeit(sstörung)en und den ausgreifenden Konstruktionen neuer, fantastischer Welten, bisweilen in Trash-Ästhetik. Die Festlegung der Fotografie auf ein rein dokumentarisches Medium hat sich zu keiner Zeit in den letzten bald 170 Jahren bewerkstelligen lassen, auch wenn es in bestimmten Perioden weniger oder weniger deutliche Inszenierungen gab. Insofern ist die inszenierte Fotografie ein wesentlicher Teil der Fotogeschichtsschreibung. Zu fragen bliebe in diesem Zusammenhang, wann denn eine Fotografie ohne diesen inszenierenden Teil im Sinne einer irgendwie gearteten, direktorialen Intervention wirklich auskommt. Gerade wenn es darum geht, durch Blickwinkel, Aufnahmetechnik, Kameraoptik oder Bilderzusammenstellung eine durchaus objektive Sicht transparent zu machen, ist immer schon ein Anteil an (objektivierender) Inszenierung vorhanden. Und viele FotografInnen bewegen sich heute an der Grenze von Abbild und Bildkonstrukt, sie es, dass sie das Setting vorgeben, sei es, dass sie reale Szenen theatralisch beleuchten, oder sei es, dass sie pseudodokumentarisch fotografieren etc. Trotz weitgehend apolitischer Haltung, die Fotos haben es in sich: Sie sind per se mitteilungsbedürftig, gesprächig, manchmal gar geschwätzig. Weiter ist festzustellen, dass der erkleckliche Fundus an fotografischen Ideen, Inszenierungen und Identitäten verschiedene Perspektiven aufweist, eine ideelle (Erzählstruktur, Dramaturgie) und eine topografische (Realität/Bühnenrealität, Kamerabühne). Innerhalb dieses Genres lassen sich Repräsentationssysteme des Menschen untersuchen: Selbststilisierungen, Stereotypien, fiktionalen Welten, kritische Gesellschaftskommentare und (Ent)kontextualisierungen. Solche künstlerisch überzeichnete und zugespitzte Darstellungsstrategien spielten mit (De)konstruktionen, mit narzisstischer Überhöhung und Verdoppelung, mit Persiflagen und Verzerrungen. Man gab sich irritiert und irrational, man praktizierte Rollenspiel, Travestie, Androgynität, man übte sich in Askese, verlor sich in Besessen- und Zerrissenheit, träumte ein anderes Ich, eine bessere Welt, man kokettierte als Held, mystifizierte das alter ego, versponn sich in aufoktroyierten Psychogrammen und verlor sich im Pathos, ja man liess selbst dem (gespielten) Suizid eine Chance. Der Zauber führte Regie, dann auch der Zufall, unterfüttert von Traditionen und Ritualen, fotografischer Technik und virulentem Zeitgeist. Immer wieder ist das Sinngebungspotential spürbar, zum Zweck der Unterhaltung, der Belehrung, des Gleichnishaften. Man verstellte sich in Metaphern und Allegorien, schlich sich ein in Elitär- und Populärkultur, biederte sich an beim Trivialen, kaschierte mit Kunstversatz, parlierte mit enigmatischer Bildrhetorik und agitierte mit gespielter Kontemplation. Vieles ist möglich in der inszenierten Fotografie: bombastische Inszenierung neben sentimentalen Devotionalien, Tragik neben Ironie, Betroffenheit neben Spott, Bluff neben Blossstellung, Witz neben Sarkasmus, Spass neben Trauer, Cybermystik neben Alltagsrealität, Vexierwelten und Psychedelik neben erzieherischer Motivation und harter Aufklärung. Die Bandbreite theatraler Formen, und diese sind grundsätzlich auf eine (Meta)kommunikation ausgerichtet, findet sich, über alle notierten Namen der Datenbank gesehen, tatsächlich auch in den Spielanlagen inszenierter Fotografie, auch wenn kein Sprachtext und damit auch keine klassische Dramaturgie (Exposition, Steigerung, Klimax, Katharsis) mit entsprechend dialogischem Muster, sondern eher eine Nummerndramaturgie vorliegt: • Dramatisches: Komödie, Backstage-Komödie, Tragödie, Tragikomödie, episches Theater, dokumentarisches Theater, analytisches Drama, Heldenepos; • Volksstücke: Commedia dell’arte, Stegreifkomödie, Schwank, Burleske, Posse, Farce, Persiflage, Groteske, Scharade, Bildrätsel, gespielter Witz; • religiöse Stücke: Mysterienspiel, Mirakelspiel, Passionsspiel; • Kinder-/Jugendstücke: Märchen, Bildergeschichte, Zauberei, Maskenspiel, Rollenspiel, Aufklärungsstück); • klassische monologische und dialogische Formen: Biografie, Lehrstück, Parabel, Denkmal, Panoramen, Drehbuch; • experimentelle Formen: Endstück, Bild-(Sub)text-Collage, Traumstück, Tableau vivant, Pantomime, Performance, Kleinkunst, Kabarett, Fetischtheater, Lustspiel, (Genie)streich, Schimpftiraden. |
