Werkbereiche

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Die Mise-en-scène ist somit grundsätzlich ein künstlerischer Akt. Er verlangt Kenntnis über die theatralischen und dramaturgischen Mittel, aber auch Introspektion in das Vorgegebene, sowie eine Vorstellung, wie der Stoff für ein intendiertes Publikum umgesetzt werden kann. Seine Art und Weise der Erzählung, seine Haltung spiegelt sich in der Inszenierung. Dadurch erhält der Stoff ein Gesicht, er wird erzählte/erzählende Handlung. Dabei kann es sich nach Michael Köhler um Selbstinszenierungen, narrative Tableaus, Miniaturbühnen, Stillleben, sowie fotografische Skulpturen oder Installationen handeln. Die inszenierende Fotografie umfasst die Subgenres von der Selbstbefragung, über die Selbstpräsentation bis hin zur Personen-, Gruppen- und/oder Objektinszenierung.

Die fotografische Inszenierung verlangt genauso fotografisches wie dramaturgisches Wissen. Projektive Fotowelten können, ebenso wie theatralische Inszenierungen, nicht losgelöst werden vom kulturellen Diskurs, vom Zeitgeist. In den Resultaten spiegelt sich einerseits die für das Werk verantwortliche Autorität, anderseits deren foto- und kunsthistorisches Bewusstsein.

Die Beschäftigung mit den Resultaten inszenierender FotografInnen lässt zumindest 13 Subgenres ausscheiden:

1. Selbst

2. Einzelfigur

3. Gruppenfigur

4. Still

5. Tableau

6. Installation

7. Miniaturbühne

8. Grossbühne

9. Naturbühne

10. analog montierte Szene

11. digital montierte Szene

12. Sequenz

13. Tiere

 

1.–3. Selbst, Einzelfigur und Gruppenfigur  rücken den Menschen in den Vordergrund. Er ist die Hauptperson, treibende Kraft in einem mehr oder weniger sichtbaren Umfeld, mehr oder weniger als Ich erkennbar. Oft haben diese Inszenierungen einen improvisierten Touch. Das Spiel mit Verkleidung und Erkennbarkeit (Rollen, Kleidung, Masken, Requisiten)

4.–5. Still und Tableau referieren auf Stillleben, auf fixierte Momente, die im Theater als «freeze» bekannt sind. Diese Objektivierung von Personen und Gegenständen  ist an sich in jeder Fotografie aufgrund der Aufzeichnung eines Moments gegeben. Doch wird in dieser Art der Abbildung dem Kompositorischen breiten Raum zugemessen. Als Spezialfall ist das tableau vivant zu vermerken (lebender Marmor, living sculpture), das bereits auf eine über 200 Jahre andauernde Darstellungstradition und damit verbunden bürgerlicher Rezeptionsästhetik zurückblicken kann.

6.–9. Während eine fotografische Installation das Fragile, Zerbrechliche und damit unmittelbar Vergängliche in den Vorderund rückt, handelt es sich bei den Bühnenszenerien um unterschiedlich grosse und/oder unterschiedlich reale Simulationen von Wirklichkeiten. Zumeist sind Miniaturbühnen verkleinerte Massstäbe der Wirklichkeit, also bevölkert und besetzt mit Figuren und Objekten unterschiedlicher Grösse; die Szenen spielen sozusagen auf dem Studiotisch. Die Gross- und Naturbühnen nutzen entweder grossformatige Filmstudios, reale oder fiktionale Kulissen oder die reale Welt als Rückprospekt. Hierzu werden oft wie in einer grossen Prozession oder in einem Landschaftstheater Dutzende von Personen auf  und hinter der «Bühne» gebraucht. Zudem wird bisweilen das fotografische Format dem Cinemascope-Effekt angepasst; die Bilder werden z.T. x-fach so breit wie hoch.

10.–12. Unter einer analog montierten Szene kann man die Collage (Klebebild) oder Montage (Sandwich-Verfahren in der Dunkelkammer mit anschliessender Positivretusche, z.T. verschiedene Umkehrungsverfahren und Verfeinerungsstadien) verstehen. Die digitale Montage hat ähnliche Werkzeuge zur Verfügung (Maskierungen,  Ebenentechnik, Retuschen etc.), um falsche Tatsachen vorzuspiegeln und damit vermeintliche Inszenierungen vorzugaukeln.

13. Einzelne KünstlerInnen haben sich darauf verlegt, als ihr alter ego Tiere auftreten zu lassen.